Adelheid, Urs & Erna – Hainbuchen und Stieleiche (2018-2020)
Paul Rohlfs und Andreas Greiner

Im Sommer 2018 spitzte sich der Konflikt zwischen dem Energiekonzern RWE und den Aktivisten für den Erhalt des Hambacher Forst zu einem bundesweiten Ereignis zu. Die Aktivisten setzen sich seit vielen Jahren für den Verbleib und den Schutz des letzten Teilstückes des ehemaligen Bürgewald ein, der unter dem Namen Hambacher Forst bekannt geworden ist.

Seit 1978 rodet der Energiekonzern RWE (ehem als Rheinbraun-AG) große Teilstücke des seit 12.000 Jahren bestehenden Waldes, um sein Braunkohletagebau zu erweitern. In den letzten 200 Hektar des ehemals 5.500 Hektar großen Bürgewald gedeihen Stieleichen und Hainbuchen in einem besonderen Mischungsverhältnis, der Wald beheimatet seltene Tierarten, wie die europarechtlich geschützte Brechsteinpfledermaus.

Vor dem Hintergrund einer bevorstehenden Rodung durch den Energiekonzern RWE extrahierten Paul Rohlfs und Andreas Greiner zwei junge Hainbuchen und eine Stieleiche aus dem Hambacher Forst. Die kleinen Bäume wurden nach Berlin transportiert und überwinterten in Pflanzenkübeln auf den Hinterhöfen der Künstler.

Im Rahmen des Artist in Residence Programm des Kranich Museums in Hessenburg, Mecklenburg Vorpommern, für das Andreas Greiner im Jahr 2019 ausgewählt worden war, wählten die Künstler den Gutspark als einen neuen Standort für eine der beiden Hainbuche aus. Diese Hainbuche wurde Urs getauft.

Durch den Landeskontrollverband Berlin-Brandenburg e.V. ließen Greiner und Rohlfs die Bodenproben aus dem Hambacher Forst und dem Gutspark Hessenburg auf ihre chemische Zusammensetzung hin überprüfen, um Anhaltspunkte für eine Vergleichbarkeit der Böden zu sammeln. Begleitend zur Pflanzung im Gutspark wurde einvernehmlich ein Vertragswerk mit der Gutspark-Chefin Dr. Bettina Klein unterzeichnet, in dem der Umgang mit der lebenden Skulptur Urs geregelt wird.

Die Hainbuche Adelheid bekam ihren Namen von Paul Rohlfs im Jahr 2019 verstorbenen Großmutter Adelheid. Im Rahmen der Ausstellung „Life of Signs“ von Andreas Greiner im Mönchehaus Museum Goslar wurde Adelheid als Teil der Ausstellung „Signs of Life“ im Frühjahr 2019 in den Skulpturengarten des Museums gepflanzt. Adelheid lebt dort zusammen mit drei von Joseph Beuys im Jahr 1982 gepflanzten Eichen.

Die Hainbuchen Adelheid und Urs leben als Exilanten fernab von politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen ihrer alten Heimat an sicheren Standorten und tragen das Erbe ihrer Wälder fort.

Die Stieleiche Erna wird uns in Erinnerung bleiben. Sie hat die Überführung nach Berlin nicht überlebt.

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